Sonntag, 21. August 2011

Keine Sorge, dass ist ja ein Welpe, der hat noch Welpenschutz. - Mythos Welpenschutz


Da ist man mit so einem kleinen 3-Käse-Hoch unterwegs und ganz stolz auf ihn. Man möchte ihn an andere Hunde gewöhnen und deshalb sucht man sich entpsrechende Hundeplätze. Der kleine ist altersentsprechend stürmisch und wild, hüpft am erwachsenen Hund rum, eventuell auf ihm herum, zerrt ihn mit seinen kleinen, spitzen Zähnchen an den Leftzen und terrorisiert ihn, wie es sich für einen so kleinen Rebellen gehört.
Meist sind die Hundehalter dann sogar noch gewillt, dass ganze abzubrechen aber nicht lange lässt dann folgende Aussage auf sich warten: „Keine Sorge, der ist ja noch ein Welpe, der hat Welpenschutz“.

Achso denkt der Neuhundehalter mit Welpe und ist erleichtert, lässt seinen Jungspund gewähren und lässt den erwachsenen Hund „erziehen“. Meist geht das sogar gut aber nicht immer, deswegen ist mir hier sehr an Aufklärung gelegen und ein DANKE an Maren, dass Sie mich gebeten hat, dass Thema aktuell mal aufzugreifen.

Was heißt Welpenschutz eigentlich?
Welpenschutz soll mehr oder minder bedeuten, dass der kleine Welpe Narrenfreiheit bei anderen erwachsenen Hunden genießt, da diese riechen, dass er ein Welpe ist und ihm deshalb grundsätzlich nichts tun, da dieser eine natürliche Beißhemmung bei Ihnen auslöst.

Leider unterliegt man damit einem Irrtum, welcher für den Welpen äußerst gefährlich werden kann.

Gibt es also gar keinen Welpenschutz?
Doch gibt es. Dieser drückt sich aber lediglich durch eine höhere Toleranz gegenüber Welpen aus und dies auch nur im eigenen Rudel. Normalerweise verhält es sich so, dass die Welpen in einem Rudel solange von der Gruppe isoliert werden (geschützt werden), bis sie ein „ordentliches“ Verhalten gelernt haben.

Sprich, man kann von fremden Hunden nicht erwarten, dass sie die Faxen tolerieren, welcher so ein kleiner Wurm macht. Es kann dazu führen, dass der Welpe weggeschnappt wird, richtig rund gemacht und im schlimmsten Fall gebissen wird. Das ist seitens der erwachsenen Hunde ein absolut normales und nicht verurteilbares Verhalten.
Ein Hund der den Umgang mit Welpen gelernt hat, wird hier toleranter sein, als ein Hund, der mit Welpen wenige Erfahrungen gemacht hat. Dann gibt es souveräne Hunde, die nichts aus der Ruhe bringt und andere Hunde, die eine niedrigere Reizschwelle haben und das Verhalten nicht tolerieren.

Kann man einen Welpen also nicht zu erwachsenen Hunden lassen?
Natürlich kann man dies aber kontrolliert. Am Besten ist es wenn man die ganze Zeit dabei ist und aufpasst, dass der Welpe nicht so hochdreht und den erwachsenen Hund nicht anspringt. Vor dem Kontakt kann man sich bei dem Besitzer des erwachsenen Hundes erkundigen, ob dieser mit Welpen klarkommt oder ob diese ihn nerven. Kommt die Aussage „machen Sie sich keine Sorgen, Ihrer hat ja Welpenschutz“, dann sollten Sie lieber weitergehen. Sicher ist sicher.

Damit Ihr Welpe richtig sozialisiert wird ist es wichtig, dass sie eine Welpengruppe besuchen. Hier kann er sich frei entfalten und mit Artgenossen seines Alters den richtigen Umgang und die Beißhemmung lernen.
Bei der Welpenschule achten Sie auf darauf, dass die Gruppen klein sind und das ausreichend Trainer vorhanden sind. Die Hunde sollen nicht unkontrolliert aufeinander rumspringen und sich gegenseitig mobben, sondern der Trainer sollte im Falle eines Falles eingreifen.
Wichtig ist bei den Welpengruppen auch, dass sie in eine Gruppe gehen die von den Rassen her gemischt ist. Es gibt immer mehr Gruppen die z.B. nur für kleine Hunde sind. Suchen Sie sich bitte eine Gruppe aus, wo wirklich jede Rasse vertreten ist. Ein guter Trainer wird aufpassen, dass es nicht zu wild zugeht.
Eine kleine Erläuterung warum dies wichtig ist: In der Natur ist es so, dass die kleineren Tiere immer von den größeren gejagt und gefressen werden. Das ist bei Wölfen/Hunden nicht anders. Oft kommt es zu Beißvorfällen größerer Hunde gegen kleinere Hunde. Grund dafür ist nicht selten, dass die größeren Hunde in der Sozialisierungsphase nicht den Umgang mit kleineren Hunden gelernt haben (das sie z.B. auch vorsichtiger sein müssen). Hier kann es vorkommen, dass kleine Hunde als Beute angesehen werden. Deswegen müssen sich Groß- und Kleinhundehalter die Chance geben, Welpengruppen gemeinsam zu besuchen. Die kleineren sollen lernen, dass die größeren zwar wilder sein mögen aber das sie nicht bedrohlich sind und die größeren Jungs und Mädels sollen lernen, dass die kleineren Hunde kein Snack sind.

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